Auf dem Weg in die Zukunft

Ältestenkonferenz 2023 in Ludwigsburg
Die Ältesten und Geschäftsführer*innen im Verband evangelischer Diakonen-, Diakoninnen- und Diakonatsgemeinschaften haben sich zur dreitägigen Ältestenkonferenz in Ludwigsburg in Baden-Württemberg getroffen.
Nach einem informellen Start mit Gottesdienst und gemeinsamem Abend stand die Ältestenkonferenz unter dem Motto „Gemeinschaften auf dem Weg“. In einer ersten Runde wurde klar: Die Gemeinschaften werden von ähnlichen Themen bewegt: Nachwuchsgewinnung, Strukturveränderungen, Finanzierung und die Frage, wie das diakonische Profil in den Unternehmen gestärkt werden kann.
Diese Fragen der Gegenwart und Zukunft versuchte Oberkirchenrat Dr. Steffen Merle in einem Impulsvortrag in den Mittelpunkt zu stellen. In sein Fachgebiet gehört auch die Arbeit Diakonischer Gemeinschaften. „Ihre Arbeit ist ein großes Zeugnis des Evangeliums in unserer Welt, ein Zeugnis, das Menschen noch verstehen. Denn: Menschen sind auch heute noch auf religiöser Orientierungssuche, auch wenn sie das vielleicht außerhalb der uns bekannten Strukturen tun“, so der Oberkirchenrat. Die Spannung zwischen Individualisierung und Gemeinschaft ist für ihn das Markenzeichen des Diakonats. Gemeinschaftsmitglieder haben Herz und Ohr am rechten Fleck und wüssten, wo Gesellschaft ihre Hilfe braucht. „Sie stellen sich die Frage: ‚Was würde Jesus tun?‘ und sind Zeuginnen und Zeugen im Zeugnis an Jesus Christus. Wenn in dem, was Sie tun Gottes Nähe erfahrbar wird, dann wird auch Ihre Gemeinschaft gestärkt, denn Sie gehen von der gleichen Mitte aus.“
Diakon Tobias Petzoldt, Geschäftsführer des VEDD, stellte die Frage, warum Gemeinschaften aus soziologischer Sicht wichtig sein könnten. „In dem Downsizing-Prozess, in dem sich die Kirche derzeit befindet, müssen Gemeinschaften den strategischen Gegenimpuls setzen. Während Kirche sich in einer Art ‚ekklesiologischer Embryonalhaltung‘ befindet, macht Diakonie vor, wie es geht: Hinausgehen, Zeugnis sein, Dienst tun“, so Merle. Diakonisches Profil lasse sich nun einmal nicht nur durch Loyalitätsrichtlinien regeln. Dafür brauche es begeisterte Mitarbeitende.
Dass viele Menschen auf der Suche nach einer besonderen Gemeinschaft seien, hat für ihn nichts mit Schwäche zu tun. „Es geht hier doch vor allem auch um eine Bindung zu Gott, sonst könnte man auch zur Feuerwehr gehen, um Gemeinschaft zu erleben. Das Dreifachgebot der Liebe ist eben mehr als ‚nur‘ soziale Arbeit.“
Im Anschluss an den Vortrag berichteten drei Gemeinschaftsleitungen in kurzen Beiträgen von beteiligungsorientierten Zukunftsprozessen, die in ihren jeweiligen Gemeinschaften stattgefunden haben. Diakon Friedemann Beyer aus der Gemeinschaft Moritzburger Diakone und Diakoninnen stellte den Prozess „Zukunft in Gemeinschaft – Gemeinschaft in Zukunft“ dar. Der Prozess kam im Rahmen des Jubiläums ins Rollen. „Wir wollten uns nicht nur auf die Schulter klopfen, sondern auch fragen, ob wir noch zukunftsfähig sind“, so Beyer. In insgesamt sieben Schritten hatte die Gemeinschaft seit 2019 an einer zukunftsfähigen Gemeinschaft gefeilt.
Diakon Stefan Zeiger aus der Diakonischen Gemeinschaft Hephata stellte einen ähnlichen Prozess – unter ähnlichem Namen – dar. Unter dem Motto „Zukunft der Gemeinschaft – Gemeinschaft der Zukunft“ hatten sich die Gemeinschaftsmitglieder ebenfalls 2019 auf einen gemeinsamen Weg gemacht, der mit einer Analyse der aktuellen Situation gestartet war und derzeit in konkreter Umsetzung verschiedener Maßnahmen mündet. In seiner Wahrnehmung ist das Mitnehmen möglichst aller Gemeinschaftsmitglieder und die sorgfältige Kommunikation das Wichtigste in einem Zukunftsprozess.

Auch die Brüder- und Schwesternschaft des Rauhen Hauses geht neue Wege, wie Diakonin Claudia Rackwitz-Busse berichtete. Wie in den anderen Gemeinschaften waren ähnliche Probleme ausschlaggebend für den Prozess: Die demografische Entwicklung, neue Kirchengesetze, die Frage nach einer zeitgemäßen Struktur hatte 2020 dafür gesorgt, dass ein Prozess ins Laufen kam, der derzeit noch in der Umsetzung befindlich ist.
Am Nachmittag unterstützte Diakon Martin Rösch, Organisationsentwickler von der Diakonischen Akademie in Rummelsberg die Mitglieder der Konferenz dabei, folgenden Fragen auf die Spur zu kommen:
- Wo stehen wir als Gemeinschaft gerade?
- Wohin könnte sich mein Zukunftsbild entwickeln?
- Welche Ideen und Innovationen & Entwicklungsschritte brauchen wir dafür – wie können wir uns gegenseitig unterstützen?
In einem kurzweiligen Prozess kamen die Leitungen miteinander ins Gespräch. In aller Unterschiedlichkeit – die größte Gemeinschaft hat 1.700 Mitglieder, die kleinste gerade 50, einer der Ältesten ist bereits seit 50 Jahren Teil seiner Gemeinschaft, während eine frisch gebackene Oberin erst seit wenigen Monaten Gemeinschaftsmitglied ist – identifizierte die Gruppe gemeinsame Themen und Richtungen.

Am Abend luden einige Mitglieder des Karlshöher Diakonieverbands zu einem geselligen Abend mit Dreigänge-Menü ein – der Motivation und Energie gab für den Geschäftsordnungsteil am Vormittag des dritten Konferenztages.
Text und Fotos: Diakonin Arnica Mühlendyck
